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Thema: Neuaufbau Unterwasserschiff LM24 Ostsee

  1. #1
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    Standard Neuaufbau Unterwasserschiff LM24 Ostsee

    Hallo,

    ich bin über dieses Forum gestolpert auf der Suche nach dem richtigen Aufbau für meinen "neuen" Motorsegler und hoffe auf für meinen Einsatzzweck passende Informationen.

    ich habe eine LM24 gekauft (7,20m x 2,50m), auf dem Unterwasserschiff finden sich dicke und bereits abplatzende Lagen von blauem und abfärbendem Antifouling. Dass dieser Lackaufbau nichts mehr taugt ist unzweifelhaft.
    Das Boot liegt in der Ostsee (kleiner Belt) und wird an den Sommerwochenenden bewegt werden. Im Winterhalbjahr liegt es an Land unter freiem Himmel auf einem Stativ.

    Ich muss also vermutlich bis zum Gelcoat abschleifen/abkratzen, dann einen Haftvermittler auftragen und ein passendes Antifouling als Abschluss finden.
    Dazu habe ich natürlich die üblichen Fragen:

    - Welche Produkte sind für mich geeignet und welche Mengen benötige ich?
    - Müssen die Stahlteile am Ruder und die Schraube anders behandelt werden?
    - Schleife ich das Antifouling/den alten Haftgrund ab oder kratzt man besser?
    - falls schleifen, welche Körnungen?

    Vielen Dank im Voraus,
    Stephan

  2. #2
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    Standard AW: Neuaufbau Unterwasserschiff LM24 Ostsee

    Hallo Stephan,

    - Welche Produkte sind für mich geeignet und welche Mengen benötige ich?
    In der Ostsee haben wir mehr als 15 000 km² wo es keinen Bewuchs gibt, somit bräuchte einer je nach Revier kein Antifouling. Daher gibt es auch sehr viele Empfehlungen von Skippern, die mit Ihren Antifouling bestens zufrieden sind, was natürlich Unsinn ist, da sich solche Erfahrungswerte auf Grund unterschiedlicher Anwendung und Auslastung nicht übertragen lassen.
    Haben wir aber Bewuchs Probleme, dann wäre geeignet Marine 522 LF, oder Marine 522 Ecoship. LF ist mehr für Brackwasser geeignet.

    Das Unterwasserschiff dürfte so um die 20 m² haben. Berechnung ist, Breite + Tiefgang x Wasserlänge x 0,75 = m²

    Ergiebigkeit vom Primer (1x) der bei Erstanwendung erforderlich ist, ist ca. 7 m²/Liter
    Ergiebigkeit beim Marine LF oder Ecoship ist ca. 8,0 m²/Liter bei einen Anstrich. Bei Saisonwasserlieger empfehlen wir einen Anstrich, Wasserpass 2 Anstriche. Bei Dauerwasserlieger 2 Anstriche, Wasserpass 3 Anstriche. Da der Wasserpass in den marinas immer wieder verschmutzt und meist mit einen harten Schwamm gereinigt wird, wir da immer etwas Antifouling mit abgerubbelt, daher 3 Anstriche.

    - Müssen die Stahlteile am Ruder und die Schraube anders behandelt werden?
    nein, Primern, Antifouling. Da aber immer mal die Korrosion durchbrechen kann, muss entsprechend nachgebessert werden. Also einfach schleifen, Primer , Antifouling.

    - Schleife ich das Antifouling/den alten Haftgrund ab oder kratzt man besser?
    Beim schleifen, kratzen, schaben besteht immer die Gefahr, dass der Gelcoat der nur 0,6 mm dick ist, dazu noch der wichtigste osmotische Schutz ist, beschädigt wird. Wird der Gelcoat beschädigt, dann muss repariert werden was sehr - sehr teuer werden kann. Werften wie z.B. Wrede in Hamburg oder Rambeck in Bayern kalkuliere bei solchen Sanierungen um die 1000,-€ je laufenden Bootsmeter zzgl. Mwst. 19% nicht ohne Grund. Dazu noch mehrmaliges umsetzen, so dass bei der Bootsgröße schnell an die
    12 000,-€ Kosten für eine fachgerechte Sanierung erforderlich sind.

    - falls schleifen, welche Körnungen?
    Grundsätzlich rate ich immer zum Abbeizen, auch wenn es nicht gerate billig und eine Gallerenarbeit ist. Wir haben in 99% der Antifoulings Bisphenol A, siehe http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...-a-681524.html Beim schleifen genügt also nicht eine einfache Staubmaske, da wir beim schleifen Nanopartikel erzeugen die der Körper nicht mehr ausscheiden kann. Es ist bereits der Hautkontakt bedenklich. Wir haben auch in allen Antifoulings Kohlenwasserstoffverbindungen die noch bedenklicher sind.

    Bei den Beizen ist immer der Versuch angesagt, da die Beizen unterschiedlich reagieren. Wir dürfen auch keine Beize verwenden, die uns den Gelcoat aufweicht oder beschädigt, daher gibt es da auch Grenzen der Wirksamkeit. Wir empfehlen grundsätzlich Beizen, die nicht ätzend sind und auf der Haut keine Schäden verursachen da sich mancher Spritzer nicht vermeiden lässt. Natürlich sollte immer sofort abgewaschen werden.

    Empfehlungen zum starten erst 1 Liter TOP 155. Wenn wir die Altschicht nach 5-6 Stunden weitgehend bis zum Gelcoat runter bekommen, dann können wir mit TOP 155 oder GEL 175 weiter machen. Es muss aber immer nachgebeizt werden um die Reste mit dem Kärcher oder einer groben Edelstahlwolle oder Pfannenreiniger aus dem Haushalt zu entfernen. Wenn TOP 155 nicht ausreichend ist, bleibt nur nach die Wahl zu Yachtstrip was die Sache dann verteuert. Da die Beizen basisch sind, muss mit verdünnter Oxalsäure neutralisiert werden. Es kann auch z.B. NetTrol vom Owatrol dazu verwendet werden. Mit Wasser gründlich nachreinigen und vor dem beschichten wird dann nochmals das Unterwasserschiff mit 99,5% Aceton gereinigt.

    Schleifarbeit erfolgen meist mit 180 bis 200 Körnung.

    Grüße Friedrich

  3. #3
    Neuer Benutzer
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    Standard AW: Neuaufbau Unterwasserschiff LM24 Ostsee

    Hallo Friedrich,

    vielen Dank für deine ausführlichen Antworten, es bleiben keine Fragen offen! Ich werde dann demnächst versuchen der Situation mit Abbeizer beizukommen und mir dann die entsprechenden Produkte bei dir besorgen...

    Nochmals Dank für deine Mühe,
    Stephan

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