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Thema: Bitte um Einschätzung/Vorgehensweise

  1. #1
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    Standard Bitte um Einschätzung/Vorgehensweise

    Liebe Forumsmitglieder!

    Ich bin am verzweifeln und bitte deshalb um Euren Ratschlag.

    Problemfall: Ruderblatt hat Bläschen (Wasseraustritt)

    Folgender chronologischer Ablauf:

    - Ruderblatt hatte einen Frostschaden letzten Winter (Rissbildung)
    - VC17 und VC Tar wurde entfernt und Risse großzügig ausgeschnitten
    - Ruderblatt getrocknet (im Keller) mit Folie feuchtigkeitstest gemacht.
    - Risse mit Epoxi (West System) und Füller verspachtelt
    - Geschliffen
    - Aminoröte immer mit Wasser abgewaschen
    - Drei lagen Glasfasermatten mit Epoxi verarbeitet und mit Füller letzte Lage verspachtelt und geschliffen.
    - 1 Schicht EP gerollt.
    - 8 Schichten VC Tar2 verarbeitet unter Beachtung der Trockenzeiten
    - 2 Schichten VC17

    Das Boot war jetzt einen Sommer lang im Wasser und zeigt folgendes Problem:

    - Ruderblatt hat mit Wasser gefüllte Blasen (bläuliche Flüssigkeit)
    - Blasenbildung bis auf die Glasfaserschicht/EP Schicht.
    - Ich habe daraufhin das VC17 abgeschliffen und sehe nach drei Wochen immer noch nasse austretende Flüssigkeit wo die Blasenbildung war. (Boot wird im freien Gelagert. Hatten schon minus Grade)

    Was soll ich machen?

    Habe ich folgendes falsch gemacht:

    - Beim Laminieren hat man weiße Flecken im Laminat gesehen. Habe die grössten aufgebohrt und mit EP vergossen (siehe Foto)
    - Falsches Mischungsverhältnis beim VC TAR2?
    - Ruderblatt (teilweise Vollholz) nicht trocken? Es gibt aber auch Blasen auf dem nicht Vollholzteil.
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  2. #2
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    Standard AW: Bitte um Einschätzung/Vorgehensweise

    Hallo,
    das Problem ist, wir haben ein Vollholzruder mit einer Leichentuchbeschichtung.
    Da nun mal kein Polymer Feuchtedicht ist, auch nicht wenn 20 Lagen VCTar2 gestrichen würden, haben wir es immer mit einer Feuchteaufnahme zu tun. Der osmotische Vorgang einer osmotischen Diffusion kann also in diesen Fall nicht verhindert werden, aber reduziert werden. Reduzieren bedeutet, weniger wäre die bessere Lösung gewesen. Es hätte genügt das Ruder zu trocknen, mit Le Tonkinos Öl oder besser mit einen ALcydharzöl das penetrierfähig ist bis zur Sättigung einstreichen, nach der Härtung einmal mit Marine 470 Vinyl und dann Antifouling zu streichen. Wenn nach 2-3 Jahren wieder Blasen kommen was nicht ungewöhnlich wäre, genügt einfaches darüber schleifen, Primer zum ausbessern und wieder Antifouling. Das geht einfach und schnell.

    Die meisten Segelyachten haben ein GFK-Ruder mit einen Holzkern. Trotz Gelcoat, ISO-Laminat wird der Holzkern z.B. in der Adria nach 10 Jahren mit bis zu 30% Wasseraufnahme durchfeuchtet. Wenn also beim Ruder ein Druckausgleich möglich ist, gibt es auch keine Abplatzungen oder Blasen. Versuchen wir aber von Aussen die Durchdringungswerte zu erhöhen, dann haben wir unter dem Laminat Drücke bis zu 20 Bar. Damit bekommen wir Blasen oder auch Abplatzungen. Die Blasen oder Abplatzungen haben zuerst einmal keinen Einfluss auf die Statik. Haben wir aber solche Feuchtewerte, die nicht ungewöhnlich sind und erhöhen die Feuchtedichte von Aussen, dann kann kein Druckausgleich erfolgen und bei Frosttemperaturen wird das Ruder natürlich beschädigt.

    Was mich doch ein wenig verwundert ist die Vorgehensweise, denn so weit ich vermute haben wir hier keinen Gleiter, Trailerboot mit kurzen Wasserliegezeiten. Darauf gehört kein VC17m. Auch die 8 Schichten VCTar2 sind vergebliche Liebesmühe, denn VCTar2 ist ein Haftgrund (mit Quarz pikmentiertes EP) für VC17m und da genügt 1 Anstrich. VCTar2, oder auch ein Gelshield usw. ist nun mal kein Osmoseschutz, denn der wurde nur von der Werbung erfunden. Eine 100% Feuchtedichte ist mit Polymeren - wie Polyesther, Epoxiden - Ausnahme Polyäthylen nicht möglich und auch nicht gewollt.

    Grüße Friedrich





  3. #3
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    Standard AW: Bitte um Einschätzung/Vorgehensweise

    Hallo Friedrich,

    vielen Dank für deine Antwort!
    Ja, du bist richtig mit der Annahme, dass ich einen Segler habe. Mein Segelboot liegt am Bodensee und bei uns werden die meisten Boote mit VC17 gerollt. Ich verstehe jetzt die Sache mit dem Druckaufbau - und ich brauche auch kein trockenes Ruder (vielleicht so trocken, dass ich im Winter keine Probleme habe :-) Soll ich vielleicht einen Schlafsack nähen?
    Wie soll ich jetzt vorgehen?
    - Das Ruder nochmals in den Keller bringen und die VCTar Schichten abschleifen?
    - Die Glasfasermatten kann ich oben lassen?
    - Ruder so versuchen zu trocknen?

    Und dann?

    Vielen Dank für deine Antwort - das ist mir eine große Hilfe!

    Liebe Grüße

    Thomas

  4. #4
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    Standard AW: Bitte um Einschätzung/Vorgehensweise

    Hallo Thomas,
    die meisten Schadensmeldungen auf Grund osmotischer Diffusionsprozesse kommen vom Bodensee. Der Grund ist einmal Süsswasser das viel aggressiver ist als Seewasser und besonders in Verbindung mit höheren Durchschniits-Wassertemperaturen die im Bereich Überllingen bis zu 27°C betragen. Unter solchen Bedingungen ist VC17m - Teflon ein Nährboden für Miesmuscheln. Dann der "Wahn" den hochwertigsten osmotischen Schutz den Gelcoat kräftig anzuschleifen, um darauf ein EP mit erheblich geringerer Feuchtedichte zu streichen.

    Viele Skipper sind auf Grund von Parolen - Bestimmungen - Bodenseeverordnung - zahlreichen Beiträgen in den Foren wo wir es sehr oft mit Anstreicherfirmen zu tun haben verunsichert. Dazu kommt die offene Hand in zahlreichen Marinas, die dann ein bestimmtes Produkt dann empfehlen oder sogar vermitteln und das ist im Bodensee meist VC17m. VC17m ist konzipiert für Gleiter, Trailerboote, kurze Wasserliegezeiten und erfordert eine Aktivität von mehr als 20 Knoten. Solche Antifoulings die meiner Meinung eine Antihaftbeschichtung sind und kein Antifouling aus den 80-ziger Jahren sind als Bewuchsschutz technisch weit überholt. Der einzige Vorteil, ich muss sagen meiner Meinung, ist der günstige Preis für den Verkäufer, nicht für den Käufer. Der größte Nachteil ist aber, wenn der Bewuchsschutz die Anforderungen nicht erfüllt, dann muss er vollständig entfernt werden was bei Teflon sehr schwierig ist. Ich persönlich würde z.B. niemals ein Boot kaufen das mit Teflon beschichtet wurde, denn eine Wiederherstellung kostet bis zu 1000,-€ zzgl. 19% Mwst. je laufenden Bootsmeter.

    Was das Ruder betrifft, mache keine Umstände, einfach darüber schleifen, wieder Vc17m darauf - was anderes haftet nicht - und sollte sich in ein paar Jahren das Laminat lösen, dann alles runter. Wen Du mal ein Feuchtemessgerät hast (Greisinger) und Du hast Feuchtewerte um die 30%, dann weißt Du dass der Holzkern langsam zu verrotten beginnt. Das dauert aber lange, somit keine Panik.

    Grüße Friedrich

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