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Thema: trockener Rumpf eines 18-jährigen Segelbootes: einmalige Chance für Nauaufbau mit 2k-Schutzschicht ?

  1. #1
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    Standard trockener Rumpf eines 18-jährigen Segelbootes: einmalige Chance für Nauaufbau mit 2k-Schutzschicht ?

    Guten Tag,

    aus etlichen Fragen und Antworten früherer Beiträge konnte ich bereits einiges erschliessen. Doch ganz treffen die besprochene Sachverhalte halt nicht auf meinen eigenen Fall zu.

    Ich stehe vor dem Kauf eines 18-jährigen GFK-Sport-Segelbootes (Länge knapp 7.5m, Verdrängung rund 1 Tonne; vom Typ her ähnlich einer melges 24). Das Boot steht seit Oktober im Südfrankreich auf dem Trockenen. Ich werde das Boot nach dem Rücktransport auf einem Binnensee (Süsswasser) benutzen. Auch wenn ich das Boot zur Winterpause jeweils aufs Trockene setze, ich gehe nicht davon aus, dass es je wieder so gut austrocknen wird, wie es jetzt der Fall ist, wo das Boot über Monate in einem wärmeren Klima und trockenen Winden ausgesetzt war.

    Ich schlage mich deshalb mit der folgenden Frage herum: Wäre jetzt der ideale -- und gewissermassen einmalige -- Zeitpunkt, um das Unterwasser neu aufzubauen und dabei durch 3 Lagen Relest Protect 347 2k-EP eine Schutzschicht für das 18-jährige Gelcoat aufzutragen? Ich weiss um Ihre skeptische Position betreffend "Osmoseprophylaxe" und schätze Ihre Expertise; ich gebe aber auch zu, dass ich auch dieses Aspekt im Kopf habe, sofern der Rumpf jetzt gut ausgetrocknet ist. Es geht mir um den mechanischen und chemischen Schutz des Unterwasser. In meinem Laien-Verständnis gehe ich davon aus, dass dies einer Art "Versiegelung" des teils ausgekreideten Gelcoats gleichkommt und hilf, dass das Boot während der Saison weniger Wasser aufnimmt (leichter ist) und mittelfristig länger hält.

    Abgesehen von der beschriebenen Konstellation gibt es allerdings keine Not, das AF abzutragen und einen Neuaufbau vorzunehmen. Zur Zeit ist auf dem Unterwasser Boero Mistral AF, ein selbstschleifendes AF, aufgetragen.

    Ist jetzt eine "einmalige" Chance, oder sehe ich das zu dramatisch und soll ich, ganz pragmatisch, jährlich einfach ein neues AF auftragen?

    Vielen Dank und beste Grüsse

    Christian

  2. #2
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    Standard AW: trockener Rumpf eines 18-jährigen Segelbootes: einmalige Chance für Nauaufbau mit 2k-Schutzschic

    Hallo Christian,
    zuerst einmal sehe ich nichts Dramatisches, weil das Boot 18 Jahre alt ist. Wurde der Gelcoat nicht beschädigt, dann muss auch nichts gemacht werden. Ich habe geschrieben, wir können osmotische Schäden reparieren, aber nicht verhindern. Auch wenn wir ein paar Lagen Protect 346 überschichten, dann kann das einen Osmoseprozess nicht verhindern und kann sogar mehr schaden als nützen. Der Grund ist, wir haben es bei Osmose immer mit einer Feuchtediffusion zu tun. Da nun mal die H2O-Moleküle um vielfaches kleiner sind als die Riesen-Kettenmoleküle von Polymeren, wandern die H2O-Moleküle langsam durch die Zwischenräume bei den Kettenmolekülen und es wird Feuchte angereichert. Diese Feuchte kann dann mit Diolen reagieren und die Feuchtediffusion wird dann beschleunigt. Der Gelcoat kreidet, das ist richtig. Nur das Kreiden wird durch die UV-Strahlung verursacht, nur da haben wir beim Unterwasserschiff wenig Probleme. Das Borero Mistral 633 Antifouling ist ein einfaches Kupferantifouling. Da Borero Raffaelo und Veneziani übernommen hat, wird Borero von International beliefert da Borero keine Antifoulings herstellt.
    Da wir noch nicht wissen, wie das AF sich in der neuen Umgebung bewährt, rate ich nichts zu machen, bzw. das gleiche Produkt weiter zu verwenden. Erst wenn es nicht funktioniert, dann sollten wir das ändern.

    Daher zuerst einmal alle Gute zum Boot und erst einmal viel Spass. Haben wir versteckte Schäden, dann erkennen wir das wenn das Boot im Herbst oder nächstes Jahr aus dem Wasser kommt.

    Grüße Friedrich

  3. #3
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    Standard AW: trockener Rumpf eines 18-jährigen Segelbootes: einmalige Chance für Nauaufbau mit 2k-Schutzschic

    Lieber Friedrich

    Vielen Dank für Ihre freundliche und kompetente Antwort !

    Dass sich Osmose nicht verhindern lässt, habe ich durch die Lektüre ihrer Beiträge gelernt und leuchtet mir auch ein. Ich dachte halt, man könnte mit einem Expoxy-Anstrich die Feuchtigkeitsdiffusion zumindest verringern und damit auch die Wasseraufnahme im Zeitraum zwischen Frühling und Herbst, in dem das Boot im Wasser liegt. Zudem war mein Gedanke, dass das Boot jetzt so trocken wie später kaum mehr ist und deshalb auch die Chance, bestehende Feuchtigkeit "einzusperren" sehr klein ist.

    Aber Ihrer Antwort entnehme ich, dass kaum eine Reduktion der Wasseraufnahme zu erwarten ist, oder sich der Aufwand nicht lohnt. Und vor allem: dass überhaupt nicht gesagt ist, dass das Boot damit längerfristig weniger Feuchtigkeit aufnimmt oder die Chance auf osmotische Schäden verringert wird.

    Danke nochmals und freundliche Grüsse
    Christian

  4. #4
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    Standard AW: trockener Rumpf eines 18-jährigen Segelbootes: einmalige Chance für Nauaufbau mit 2k-Schutzschic

    Hallo Christian,
    ein Boot nimmt im Wasser Feuchte auf und wenn im Winter das Boot an Land steht, dann entfeuchtet das Boot. Die Entfeuchtung erfolgt zum größten Teil über den Innenraum. Das ist auch der Grund, warum bei Booten nur die Bilge vesiegelt wird, während alles andere im Innenraum nicht versiegelt wird. Mancher meint da immer, dass der Hersteller das nur macht um zu sparen. Wichtig ist also über die Wintermonate zu lüften und keine Entfeuchter oder Feuchtekiller wie es die z.B. manchmal beim Aldi oder Lidl gibt in`s Boot zu stellen. Auch wenn der Gelcoat stark beschädigt wäre, dann wird der Gelcoat z.B. mit einen Aluminium oder Feldspat - pikmentierten EP repariert, überschichtet. Ich würde aber niemals raten z.B. mit einer feuchtedichten Eisenglimmerbeschichtung - Schuppenpanzerbeschichtung zu überschichten, denn diese Beschichtung ist annähernd 100% feuchtedicht. Damit würden wir die Feuchte dauerhaft einschließen, es bilden sich Drücke im Laminat bis zu 20 Bar, die Folge ist dann dass sich das Laminat vom ISO-Harz trennt, das Boot würde weich, verliert seine Festigkeit und wäre in ein paar Jahren Sondermüll. Es ist in der Regel erheblich besser nur 1 - 2 Lagen EP bei Osmosesanierungen aufzutragen, als 6-8 Lagen z.B. Gelshield, wie es oft von Verkäufern in den Foren empfohlen wird. "Viel", schadet in der Regel mehr als es nützt.
    Grüße Friedrich

  5. #5
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    Standard AW: trockener Rumpf eines 18-jährigen Segelbootes: einmalige Chance für Nauaufbau mit 2k-Schutzschic

    Sehr gut. Vielen Dank !

    Beste Grüsse
    Christian

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