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Sanierung Stahlkiel Folkeboot

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  • Sanierung Stahlkiel Folkeboot

    Hallo zusammen,

    die Saison ist vorbei, das Schiff steht gerade auf dem Bock und man beginnt sich darüber zu ärgern, dass der Kiel des Folkeboots schon wieder rostet. Jetzt möchte ich es mal richtig machen und bin hier offensichtlich im richtigen Forum. Leider habe ich noch keinen Beitrag gelesen, in dem es um die Konservierung eines Kiels aus Eisen geht, sowie um die Verwendung von Materialien in Gebinden mit weniger als 5 Liter Volumen, also geeignet für ein Folkeboot mit relativ kleiner Fläche des Kiels. Was habe ich vor:
    1. Alles runter vom Kiel. AF ist Micron Extra, darunter offensichtlich nur mehrere Lagen Primocon
    2. Entrosten mit Flex oder Exenterschleifer

    Für die nächsten Schritte hoffe ich auf einen Expertenrat. Das Ziel ist natürlich klar: Möglichst lange ohne Rost und (wenn möglich) möchte ich das Micron Extra wieder verwenden, um nicht den gesamten Rumpf vom Antifouling befreien zu müssen.

    Vielen Dank!

  • #2
    AW: Sanierung Stahlkiel Folkeboot

    Wir haben sicherlich sehr gute Korrosionsschutzsysteme für dem ges. Stahlbau nur bei den Kielen z.B. bei einen Folkeboot gibt es technische Grenzen. Der Grund ist die Güteklasse vom Stahl. Wir haben es bei den Kielen mit Schwefel und Phosphor verunreinigten Stählen zu tun die daher altern. Die Korrosion erfolgt von innen nach aussen. Des weiteren müssen wir auch die Verhältnismässigkeit sehen bei einem Korrosionsschutzsystem.

    Ein optimaler Schutz wäre 1 Lage 2 K. Zinkstaub, darauf erfolgt eine 2 K. Schuppenpanzerbeschichtung mit Hämatit, darauf dann 3-4 Lagen 2 K. Multicoat, damit ein Antifouling haftet wird 1 mal mit 1 K. Vinyl geprimert, zuletzt kommt dann ein Antifouling mit Dikupfer, und Zinkoxiden. Ohne den Primer werden so die Offshore-Anlagen - Windparks in der Nordsee mit diesen System geschütz, aber auch da sind nun mal Grenzen gesetzt. Wenn wir einen minderwertigen Stahl haben, dann fehlt für einen solchen Aufwand die Verhältnismässigkeit, da die Korrosion von innenheraus erfolgen wird und bricht dann nach einigen Jahren durch. Normalerweise haben wir bei diesen System eine Standzeit von 15 Jahren bei der Schifffahrt und wird in der Praxis während der Auslastung von 30 Jahren nicht mehr erneuert. Nur bei einen Folkeboot zweifle ich, das es mehr als 5 Jahre funktionieren würde.

    Meine Empfehlung:
    Wenn der Stahl sauber ist, gestrahlt, oder sehr gut handentrostet wurde, wird mit einen technischen Aceton mehrmals der Stahl entfettet. Diese Entfettung ist auch eine Stahlentfeuchtung auf der Oberfläche. Bildet sich dabei Flugrost, dann können wir den vernachlässigen. Darauf streichen wir dann 3-4 Lagen 2 Komp. Multicoat. Das Multicoat ist ein EP für den schweren Korrosionsschutz und wird zum Beispiel für die Balastwassertanks der Schifffahrt verwendet. Auch die Öltanks die Korrosionschäden vom Kondenswasser haben werden damit beschichtet. Ich muss mir aber eingestehen, dass ich nicht weiß wie lange das funktioniert. Wir machen zur Zeit mit Multicoat eine Test mit alten verrosteten Wasserrohren die im Erdreich einfach ausgelegt wurden. Seit 2 Jahren bricht keine Korrosion durch, wobei der Stahl von Wasserohren sicherlich höherwertiger ist als der Kiel. Das Multicot gibt es aber nur in 1,5 Liter Base mit 1,0 Liter Härter, so das bei dem Kiel auch bei 3-4 Lagen mehr als die Hälfte übrig bleiben würde. Wenn es nicht gemischt wird, ist es aber für Jahre lagerfähig.

    Da würde ich gerade noch die Verhältnismäßigkeit sehen, da das Multicoat leicht nachgebessert werden kann. Bricht die Korrosion irgend wann wieder durch, dann einfach grob darüber schleifen und mit Multicoat wieder überschichten. in der Regel bekommen wir mit 2 Lagen bereits die max. Feuchtedichte. In der Praxis reichen dann 3 Lagen aus, denn eine Feuchtedichte kann durch eine zusätzliche Schichtstärkenanreicherung nicht erhöht werden. Dünnere Schichtstärken lassen sich auch dann wenn die Korrosion wieder erscheint leichter nachbessern bzw. reparieren.
    Grüße Friedrich

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    • #3
      AW: Sanierung Stahlkiel Folkeboot

      Hallo Friedrich,

      vielen Dank für die schnelle Antwort. Was für ein Antifouling könnte ich dann auf das Multicoat auftragen. Würde Micron Extra funktionieren oder müsste noch ein Primer dazwischen? Wenn ich auf ein anderes Antifouling umsteige, müsste dann auf den Rest der Außenhaut das AF entfernt werden oder gibt es einen Primer, der als Trennschicht verwendet werden kann?

      Gäbe es bei Interprotect oder VC Tar2 von International auch Erfolgsaussichten für ein paar Jahre?

      Beste Grüße

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      • #4
        AW: Sanierung Stahlkiel Folkeboot

        Grundsätzlich hat jede Epoxid-Beschichtung Antihafteigenschaften. Auch der chemische Härtungsprozess von jedem Epoxid dauert je nach Temperatur 6 - 12 Wochen. Wird ein Antifouling zu früh aufgetragen und das Boot ist nicht im Wasser, dann bekommen wir eine Schrumpfung beim Antifouling bzw. kleine Risse im Antifouling. Das ist aber nicht schlimm, denn wenn leicht darüber geschliffen wird, werden die einfach überstrichen.

        Ansonsten muss auch bei einen EP auf Grund der Antihafteigenschaften immer ein Primer - Sealer als Haftvermittler 1 x aufgetragen werden, das gilt für alle Antifoulingarten.
        Bei der Antifoulingauswahl würde ich immer ein selbstabschleifendes Af für einen mehrjährigen Bewuchsschutz verwenden, das zusätzlich Zinkoxidbeigaben und Dikupfer hat, da damit noch zusätzlich die Korrosionsschutzeigenschaften verbessert werden können. Zur Auswahl stehen: Seajet Platinium 039 mus 3 Lagig, Seaquantum Classic, Seaquantum Ultra, Oceanic 8490K, - müssen alle 3 Lagig gestrichen werden, oder vom Preisleistungsverhältnis billger von uns das Relest Marine AF 522 Ecoship, das 2 Lagig gestrichen wird wegen höherer Biozidanteile. Damit haben wir einen Bewuchsschutz bei Dauerwasserlieger 3 - 3,5 Jahre, Halbjahres-Wasserlieger ca. 5 Jahre. Wichtig ist, jeder Hersteller hat einen Passenden 1 Komp. Primer der auf die Lösungsmittel abgestimmt wurde. Es geht nicht z.B. Primocon, darauf dann ein Oceanic 8490K von Hempel. Was das Micron Extra betrifft, das ist ein altes - einfaches - erodierendes Antifouling aus den 80-ziger Jahren und so etwas sollte in der heutigen Zeit unserer Meinung wirklich keiner mehr nehmen. Da sind die Hersteller wie Hempel/Hempadur, Nippon, Tenax, Sigma, Ulsan, BASF/Relius um 30 Jahre weiter.
        Grüße Friedrich

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